2-3 Straßen: Katja Engbrecht – „Eine Plattform für meine Gedanken“

Die 25-jährige Katja Katharina Engbrecht zog im Januar 2010 in die Saarbrücker Straße in Duisburg-Hochfeld, um am Projekt „2-3 Straßen“ von Jochen Gerz teilzunehmen. Gemeinsam mit Christian, einem weiteren Teilnehmer, lebt sie in einer Wohngemeinschaft. Katja zog für ihr Studium zur zeitgenössischen Tänzerin von Duisburg nach Hamburg. Nun kehrte sie zurück in ihre Heimat, Duisburg. Im Interview sprach das Team von du2010.de mit ihr über Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres, Alltag und einiges mehr. Nähere Informationen zum Projekt können Sie auch der Projektbeschreibung entnommen werden.

Wie kam es dazu, dass du beim Kulturhauptstadt-Projekt „2-3 Straßen“ von Jochen Gerz teilnimmst?
Ich habe von einer ganz alten Freundin aus der Schulzeit, mit der ich in Duisburg zur Schule gegangen bin, eine E-Mail bekommen, mit dem Projekt, ich habe es mir angeschaut und fand es sofort spannend. Dann habe ich mich beworben und daran gar nicht mehr richtig daran gedacht, weil die Bewerbungsphase ziemlich lang war und nach und nach wurde mir klarer, dass ich es will und das es mein Ding ist.

Wo hast du vorher gelebt?
Ich habe eine Zeit lang in Duisburg gelebt, aber für die Ausbildung zur zeitgenössischen Tänzerin, bin ich dann nach Hamburg gegangen. Und bin von Hamburg direkt hierher gekommen…

Wie möchtest du dich gerne in diesem Projekt einbringen?
Einerseits will ich das Schreiben als Plattform für meine Gedanken, meine Philosophie benutzten. Andererseits möchte ich Netzwerkarbeit für mich als Künstlerin betreiben, weil hier viele Menschen sind, die vielseitig künstlerisch sehr aktiv sind und menschlich sehr interessant. Ich glaube das es da einiges an Visionen gibt, das passt natürlich gut in eine Straße hinein.

Wie hast du dich eingelebt?
Ich bin im Januar 2010 eingezogen, es hat recht lange gedauert, bis man hier angekommen ist, weil die Wohnungseinrichtung auch noch nicht komplett ist, sondern eher provisorisch, aber mittlerweile fühle ich mich irgendwie als Hochfelderin. Aber es hat schon gewisse Begrenzungen, ich merke schon, dass ich dazu gehöre, aber auch eine Art „Fremdkörper“ bin. Ich kann nicht sagen, dass ist mein Milieu, mein persönlich gewählter Lebensraum. Ich bin hier drin, aber anders.

Was ist der Unterschied zwischen Hamburg und Duisburg?
Die Leute in Duisburg sind wesentlich älter und man sieht ihnen an, dass sie wenig Geld haben. Man hört an der Sprache der Leute, das weniger Bildung vorhanden ist, vor allem in Bussen und Bahnen. Das ist aber natürlich auch immer abhängig vom Stadtteil.

Wie empfindest du das übrige Ruhrgebiet?
Ich finde die Städte sind alle sehr vielschichtig, das hängt immer vom direkten Umfeld.

Hast du bereits an Veranstaltungen teilgenommen oder große Sehenswürdigkeiten besucht?
Ich habe mir viele Veranstaltungen angeschaut und beschäftige mich auch damit, auch mit Stadtentwicklung und den politischen Kürzungen zur Zeit. Ich war am letzten Wochenende auf der Biennale, das fand ich super! Es war spannend, weil da viele Tanzstudenten waren und schöne Performances am Abend.

Wie sieht dein Alltag aus?
Mein Alltag ist ziemlich vollgepackt mit Terminen. Ich habe wahnsinnig viele Flyer mit Veranstaltungen hier und suche mir einfach heraus, wann und wo ich hin möchte und trage mir die Termine auch in meinen Kalender ein. Tanztraining und andere Verpflichtungen baue ich mir da so herum. Ich bin immer viel unterwegs und habe mir ein Ticket gekauft um mehr mobil zu sein und die anderen Städte auch zu entdecken.

Geht man auf die Straße und erzählt, dass man wegen einem Projekt in Duisburg ist?
Ich kenne die meisten Leute des Projektes und untereinander wissen wir natürlich, dass wir für „2-3 Straßen“ hier sind. Der Kontakt zu meinen Nachbarn ist hier in Duisburg intensiver, als zu meinen letzten Hamburger Nachbarn, aber ich trage jetzt keine offenen Botschaften nach außen, dass ich an diesem Projekt teilnehme. Ich kann mir vorstellen, dass es sich vielleicht im Sommer ändert, wenn das Leben sich auch wieder mehr draußen abspielt.

Nimmst du auch immer am Stammtisch mit den anderen Bewohnern teil?
Ich war die ersten beiden Male da, um zu erfassen, was das Projekt ist. Mittlerweile ist klar, zu welchen Leuten man mehr Bezug haben möchte und da trifft man sich durchaus auch so und braucht den Stammtisch nicht. Der Stammtisch ist für mich nicht so interessant, weil ich die Form einfach nicht mag, ich trinke weder Bier noch mag ich Kneipen. Das ist nicht mein Ding!

Nimmst du am Still-Leben oder der Loveparade teil?
Natürlich werde ich mir das alles gerne anschauen!

Mit welchem Ziel möchtest du am Ende des Jahres aus diesem Projekt heraus gehen?
Ich habe kein Ziel zum Ende des Jahres, aber ich habe das Ziel so viel wie möglich aus diesem Projekt mitzunehmen, wie es nur geht. Also einfach durch Kontakte, Austausch und Konflikte, die automatisch entstehen und neue Aufgaben wahrnehmen.

Bleibst du in Duisburg über das Jahr hinaus?
Diese Frage stelle ich mir im Moment nicht, mir geht es darum hier zu sein, darüber denke ich frühestens im Oktober bzw. November nach.

Interview: Sebastian Hiedels
Foto: privat

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