8. Philharmonisches Konzert in der Philharmonie

Es ist ein Schaulaufen des Klaviers zu Beginn des Konzertes für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73 von Ludwig van Beethoven. So wie ein Pfau sein Rad schlägt hat der Solist am Klavier brilliante Läufe und Triller zu spielen – da kann ja nur noch Prächtiges und Glorreiches kommen. Das ist dann auch der Fall, aber es ist im ersten Satz nicht das Klavier, das brilliert sondern das Orchester.

Ungewöhnlicher könnte ein Konzert für Klavier und Orchester kaum sein. Während normalerweise der Solist die Themen bestimmt ist das im ersten Satz umgekehrt – immer wenn das Klavier gerade damit beginnt ein Thema anzustimmen scheint ihm das Orchester in die Parade zu fahren. Andererseits ist die Begleitung, die aus dem Klavier herausperlt und die Kadenz am Ende des Satzes – das Finale greift ja dann auf die Skalenläufe des Beginns zurück – keineswegs nur schmückendes Beiwerk. Auch wenn es auf das erste Hören so scheint, ohne diese Begleitung hätte der erste Satz nicht diese majestätische Getragenheit und Strahlen, dass dem Konzert zu eigen ist.

Für die letzten zwei Sätze wiederum ist das Klavier tonangebend – der zweite Satz mit seinem religiösem Gestus klingt schon ein wenig in die Zeitepoche der Romantik herüber, ein Schubert oder Schumann sind hier gar nicht so weit entfernt. Aber dann macht Beethoven dennoch noch etwas Ungewöhnliches – nicht, dass der zweite Satz in den dritten übergeht sondern dass das Hauptthema des dritten Satzes, das einen dazu verleitet durch das Wohnzimmer zu tanzen, zuerst leise und langsam zu hören ist. Dann erst nimmt der dritte Satz an Tempo auf – und gelangt zu einem furiosem Abschluss.

Mit Wojciech Kilars „Krzesany“ begann das 8. Philharmonische Konzert – ein Werk, das wie das “Konzert für Orchester” von Lutoslawski auf Volksliedmaterial zurückgreift. Wähend Kilar allerdings mehrere Themen eher assoziativ gegeneinanderstellt hat Lutoslawski die Lieder seiner Heimat zwar aufgegriffen, aber so organisiert dass man eindeutig Vorbilder aus der Klassik erkennen kann. In Kilars Stück “Die Geschlagenen” brechen die folkloristischen Elemente die Wucht des Orchesters. Es ist beinahe ein verzweifeltes Anspielen gegen die Verhältnisse, die hier zum Ausdruck kommt – während Beethoven allerdings an dieser Stelle wohl sen berühmtes “Durch die Dunkelheit zum Licht” stellen würde ist Kilar pessimistischer. Am Ende des Stücks überlagern sich Volkslied und Orchesterwüten bis der Schluss abrupt da steht.

Geglätteter dagegen Lutoslawskis Umgang mit dem Volkslied. Hier ist Bartok Vorbild – der ebenfalls ein “Konzert für Orchester” schrieb, dass ungarisches Liedgut integrierte. Doch Lutoslawskis greift bei den Satzformen noch weiter zurück. Neoklassik schwingt hier mit – die Satzüberschriften zeigen das deutlich und auch wenn man diese nicht sofort parat hat – Choralklänge oder die Passacaglia-Form sind im letzten Satz deutlich zuzuordnen. Dabei ist Lutoslawskis Musiksprache zwar modern, lehnt sich aber an die Sprache der Klassiker an. Kein Wunder, dass das Stück ein Klassiker der Moderne geworden ist.

Text: Christian Spließ
Foto: Frank-M. Fischer

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