Das Lügenarchiv – Wunden der Vergangenheit
Ein feuchtfröhlicher Abend in Amsterdam – für Robert Patati, Kunstrestaurator, schmerzhaft und heiter zugleich. Schmerzhaft weil er sich erst vor kurzem von seiner Freundin Micky Spijker getrennt hat. Die Profilerin befindet sich momentan dienstlich in Amsterdam. Heiter ist der Abend weil er seinen alten Freund Wolfgang Altenburg wiedersieht. Doch am nächsten Morgen wird dieser ermordet – und Patati und Spijker sind mittendrin in einem Fall, der offenbar viel mit der Vergangenheit einer erfolgreichen holländischen Firma zu tun hat.
Diesmal lud die Stadtbibliothek Duisburg zu eine Lesung im Haniel-Museum ein. Das geräumige Obergeschoss hatte die Hitze des Tages gespeichert und während man angeregt den beiden Autoren lauschte bekam man gar nicht mit, dass es unterdessen regnete. Einen besseren Beweis für einen spannenden und unterhaltsam-humorigen Krimi kann man wohl kaum ins Feld führen. Es ist der zweite Roman der Autoren Thomas Hoeps und Jacques Toes um die Ermittler Patati und Spijker. Eine deutsch-niederländische Beziehung in zweierlei Hinsicht. Denn einmal sind die Figuren der Autoren grenzüberschreitend, andererseits sind dies die Autoren auch. Thomas Hoeps ist Deutscher, Jacques Toes Niederländer. Beide planen ihre Krimis gemeinsam, legen die Handlung bis ins letzte Detail fest um dann jeweils die Szenen in die ihre Figuren passen zu schreiben. Hoeps ist dabei für Patati zuständig, Toes für Spijker. Getrennte Wege gehen dann beide wenn sie den Roman einmal für Deutschland, das andere Mal für die Niederlande lektorieren und herausgeben. So kommt es zuweilen vor, dass eine Passage zwar im deutschen Roman, aber nicht in der niederländischen Fassung vorkommt – weil sie einfach kein entsprechendes Pendant in der Sprache besitzt.
Natürlich, so räumen die beiden Autoren ein, spielen sie auch mit den Klischees, die es immer noch zwischen Holländern und Deutschen gibt. Probleme sehen sie wegen der Art ihrer Arbeit nicht – wenn Patati in den Niederlanden ist, so ist dies der eher deutsche Blickwinkel auf die Niederlande. Doch ebenso ist es umgekehrt. Eine bedeutende Rolle die Geschichte der Kolonialisierung Afrikas – ein verbindendes Element zwischen beiden Ländern. Hier, so betonte Thomas Hoeps, beruhe das Krimikonstrukt auf harten Fakten. Ebenfalls existieren die Schauplätze in Amsterdam und Düsseldorf. Nach den Fragen aus dem Publikum verabschiedeten die Autoren sich noch mit einem 6 Minuten 33 Sekunden langem Auszug aus dem Roman, ein kleiner Absacker wie die Autoren lächelnd sagen. Und falls der nächste Roman mit Patati und Spijker erscheinen sollte, dann – so Dr. Jan-Pieter Barbian, Leiter der Stadtbibliothek Duisburg – wäre eine Buchvorstellung in Duisburg natürlich Ehrensache.
Text: Christian Spließ
Foto: Duisburger Akzente




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