Das TWINS-Projekt “Interfaces” – Wege zum Paradies
Wie finden sich die Jugendlichen von heute in unserer Gesellschaft zurecht? Was erwarten, wünschen oder träumen sie? Diese Fragen stehen im Zentrum des TWINS-Projektes “Interfaces: Looking for Paradise” bei dem unser Orchester mitwirkt. Ein Projekt in dem jugendliche Amateure ein Jahr intensiv an sich selbst und mit ihren Fragen an die Gesellschaft gearbeitet haben – ein tiefenwirkender und nachhaltiger Prozess mit spannenden Erkenntnissen. Auf der Pressekonferenz stellten unser Intendant Dr. Adolf Wendel, Ulla Welticke, Rodrigo Tobar, Claude de Souza und Kornelia Kerth-Jahn das Projekt vor.
Angelehnt an Maurice Maeterlincks Theaterstück “Der blaue Vogel” erzählt die 88 Minuten dauernde Aufführung von der Suche nach den richtigen Positionen in der Gesellschaft. Dabei gerät die Geschichte durchaus auch in Sackgassen, es muss manche modellhaft wirkende Problemlösung verworfen werden. Fragen werden aufgeworfen: Wie profiliere ich mich in dieser Welt? Durch die Designmode, die ich trage? Welche Erwartungen werden erfüllt werden, welche nicht, was wünsche ich mir für die Zukunft? Intensiv haben sich die Jugendlichen mit ihrer Stellung in der Gesellschaft beschäftigt und ihre ganz eigenen Antworten auf die Fragen der Gegenwart und die ihrer jeweiligen Gesellschaft gefunden. Dabei ist anders als in “Rythm is it” nicht nur der Tanz ein tragendes Element. Auf unterschiedliche Art und Weise verbinden sich hier Rezitation, Orchesterklänge und Chorgesänge. Ein wahres Gesamtkunstwerk, das Grenzen sprengt.
Denn “Interfaces” ist auf zweierlei Art und Weise ein Kooperationsprojekt. Jugendliche aus Finnland, Weißrußland und Chile sind am Projekt beteiligt, dazu kommen Schülerinnen und Schüler aus Mülheim, Bochum und Duisburg. Kontakte, die unter anderem durch die Städtepartnerschaften entstanden waren, wurden für das Projekt aktiviert. So fördert es nicht nur die Zusammenarbeit von Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen, sondern stärkt auch die Kooperation im Ruhrgebiet.
Einen kleinen klanglischen Vorgeschmack konnte man bei der Pressekonferenz im Duisburger Theater erleben, denn einige Jugendliche aus der chilenischen Kleinstadt La Ligua stellten zwei ihrer Stücke vor. Rodrigo Tobar, der in Köln lebende und aus La Ligua stammende Musiker, betonte dass dieses Orchester nicht so sehr Bach oder Mozart spielen würde, sondern eher eigene Kompositionen. Er ist fest davon überzeugt: “Dieses Projekt wird das ganze Leben der Jugendlichen und der Macher prägen.”
Die Duisburger Philharmoniker werden u.a. zusammen mit der Bigband des Max-Planck-Gymnasiums, Solisten und anderen Musikmachenden auf der Bühne zu sehen sein. Ab Freitag, 2. Juli 2010 wird zusammen mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Theater am Marientor geprobt. Lisa Unterberg, Konzertpädagogin der Duisburger Philharmonie, begleitet das Projekt.
Ulla Welticke und Claude de Souza erklärten dann, wie die Jugendlichen die vorgebenen Choreografien einübten – ein Videoteam filmte die Schritte und Bewegungsabläufe der Beiden. Zumindest schon mal das Finale und einige andere Stellen im Theater am Marientor wurden zusammen einstudiert. Ungewöhnlich für Claude de Souza war es nicht mit ausgebildeten Tänzern zu arbeiten. Der Star-Choreograf entwarf Choreografien für Tina Turner oder arbeitete mit Sarah Connor zusammen; entwickelte einen eigenen Stil im Bereich des Modern Jazz. “Wir haben natürlich beide auch etwas voneinander gelernt”, erklärte Souza die Zusammenarbeit mit Ulla Welticke. “Mein Bereich ist eigentlich der des Hip-Hop”, so Souza. Beide Choreografen waren sich einig, dass es mitunter auch nicht leicht war die Teilnehmer an der Stange zu halten. Doch – so Ulla Welticke – “wenn man zeigt, dass man an die Jugendlichen glaubt, dann sind diese zu enormen Leistungen fähig.”
Am 8. und 9. Juli 2010 wird “Interfaces – Looking for Paradise” im Duisburger Theater am Marientor zu sehen sein. Früher kommen lohnt sich übrigens, denn ab 18:00 Uhr gibt es ein Rahmenprogramm in dem einzelne TeilnehmerInnen des TWINS-Projekts ihr Können unter Beweis stellen. Erwachsene halten bitte 12,- € für die Karte bereit, Schüler 6,- €, für Gruppen beträgt der Eintritt 5 €. Jetzt bestellen unter www.nrw-ticket.de oder über das Servicebüro des Theater Duisburg, 0203 3009-100.
Foto: Frank-M. Fischer
Videos: Kamera und Schnitt: Wilfried Krüssmann, Interviews: Frank-M. Fischer
Text: Christian Spließ





Duisburg2010 empfehlen