Gelungene Integration ist eine funktionierende Zivilgesellschaft – Olaf Sundermeyers „Der Pott“
Duisburg ist Hafen der Kulturhaupstadt, aber ein Hafen ist nicht nur ein Ort an dem Schiffe oder deren Ladungen ankommen sondern auch Menschen. Eine Erkenntnis, die vielleicht auf den ersten Blick trivial erscheinen mag, aber mit diesem Satz traf Leyla Özmal aus dem Referat für Integration der Stadt Duisburg an diesem Abend mitten ins Schwarze. Denn um die Menschen und die Geschichten des Ruhrgebiets dreht sich das Buch „Der Pott“ von Olaf Sundermeyer, der in diesem Band eine Art Reisetagebuch vorlegt. Dabei bewahrt sich der in Dortmund geborene Autor und Journalist, der mittlerweile in Berlin-Kreuzberg lebt, durchaus den kritischen Blick auf die Probleme des Ruhrgebiets. Ohne dabei aber die liebenswürdigeren Seiten zu vernachlässigen.
Die Moschee als Symbol des Angekommen-Seins
Sundermeyers Lesung braucht keine Showeffekte. Sein Text über Marxloh, in dem er eine Zeitreise von der Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 bis in die Gegenwart macht,
fesselt alleine durch die Charakterporträts. Atmosphärisch dicht bleibt er an den Veränderungen des Stadtteils dran. Eine visionär-fantastische Zukunftsschau am Ende lässt dann Fatih Akin einen Film namens „Marxloh“ drehen, in dem Selma Hayek eine Hauptrolle spielt.
Anschließend folgte die von Surmeya Kaya, bekannt von Funkhaus Europa, geleitete Diskussion. Leider konnte Jürgen Dressler, Stadtenwicklungsdezernt Duisburgs, wegen einer Erkrankung nicht erscheinen. An seiner Stelle war Dirk Smaczny erschienen. Neben Leyla Özmal und Olaf Sundermeyer selbst diskutierten noch Gitti Schwantes, Vorsitzende des Vereines Gülhane Elise – „Rosen für Marxloh“ – sowie Mustafa Tazeoglu, verantwortlich für das Projectmanagement Kreativ.Quartiere bei RUHR.2010.
Integration – wie kann sie gelingen?
Ein großer Teil der Diskussionsrunde drehte sich um die Frage der Integration und wie diese gelingen könne. Leyla Özmal betonte, dass sie nicht der Meinung sei Integration könne nur durch die Abarbeitung von Konflikten vorangetrieben werden. Sie sieht Integration als einen Prozeß, bei dem verschiedene gesetzte Ziele gemeinsam erreicht werden: „Es geht um die Menschen, die aktiv eingreifen und gestalten.“
Der Ursprung von Integration sei, so ist Mustafa Tazeoglu der Ansicht, vor allem Interesse. Ebenso wie Interesse, Wahrnehmung und Bewußtsein die drei Kernpunkte sind um Kreativität zu ermöglichen. Denn Kreativität könne „nur vor der eigenen Haustür stattfinden“. Und – so fügte er noch später hinzu – diese Kreativität brauche Marxloh als Stadtteil. Neue Geschäftsmodelle gegen die bestehende Arbeitslosigkeit müsse entwickelt werden, die Kreativwirtschaft als Motor für neue Jobs – daran möchte er arbeiten.
Olaf Sundermeyer selbst definierte Integration als funktionierende Zivilgesellschaft. Nur wer aktiv an der Gesellschaft teilnehmen kann, nur dem ist die Teilhabe möglich.
Dirk Smaczny nahm Stellung zur umstrittenen Äußerung des Stadtdezernenten Dressler, dass „nur die Türken Duisburg retten könne“. Natürlich sei dieser Spruch provokativ, aber er solle auch zum Nachdenken anregen. Einerseits habe Duisburg seit 1975 100.000 Einwohner verloren – und dieser Effekt wurde durch die Immigration abgemildert – und man müsse sich als Stadtplaner vor allem auch Gedanken über die Zukunft machen: „Nur wenn es gelingt die Talente der Immigranten zu aktivieren kann dies die Stadt nach vorne bringen.“
Aufruf gegen den Sternmarsch von PRO NRW
Angesichts des bevorstehenden Sternmarsches auf die Moschee Duisburg in März forderten alle Diskutanten auf, sich aktiv gegen die Bewegung PRO NRW zu stellen. „Gehen Sie auf die Straße, sagen Sie Nein, zeigen Sie dass diese Haltung uncool ist,“ forderte Sundermeyer auf, der in der rechtsradikalen Szene forschte. So bestünde PRO NRW nicht nur aus Neo-Nazis sondern auch durchaus aus Leuten, die sich selbst als rechtskonservativ begreifen würden. Leyla Özmal lenkte den Focus darauf, dass es nicht alleine um die Merkez-Moschee selbst ginge sondern um die Demokratie an sich.
Das Schlusswort der Diskussion sprach Dirk Smaczny. Zwei Dinge seien es, die das Miteinander bedingen würden: Offenheit und Vertrauen. Auch wenn es sicherlich noch einige Probleme auch in Marxloh gäbe müsste man vor allem eines tun. Miteinander reden. Dies taten anschließend die Zuhörer und die Diskutanten noch während sie sich das gekaufte Exemplar von „Der Pott“ vom Autor signieren ließen.
Christian Spließ
Fotos: Frank-M. Fischer




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