ISEA2010 RUHR – Return of the Pilots

Eigentlich sind Piloten diejenigen, die im Cockpit vorne sitzen und genau darüber informiert sind wohin der Weg geht. Doch wenn im Rahmen der ISEA2010Ruhr, dem 16th International Symposium on Electronic Art, das Motto „Return of the Pilots“ ist, dann ist der Begriff Pilot eher im Sinn des französischen „Lotsen“ gemeint. Die ISEA2010 RUHRals Ort an dem nach neuen Pfaden gesucht wird.

Dabei verteilt sich das Programm vom 20. bis 29. August auf Dortmund, Essen und Duisburg. Das Programm ist breit gefächert: Von Ingenieurskunst bis zu neuen Medien reicht das Programm. Dabei rückt für Duisburg (28. und 29. August 2010) nach den erfolgreichen Akzenten im Mai und Juni erneut Ruhrort in den Mittelpunkt – die ISEA2010 RUHR findet hier einen Ankerpunkt und präsentiert hier Keynotes, Workshops und Filmbeiträge. Das Festival findet das erste Mal in Deutschland statt und seit 2006 liefen die Vorbereitungen zusammen mit dem medienwerk.nrw an. In Duisburg selbst engagiert sich unter anderem die KulturWerft Ruhrort für die ISEA.

Das Programm in Duisburg beschäftigt sich dabei unabhängig von tragischen tagesaktuellen Ereignissen mit dem Thema der Krisenbewältigung – ursprünglich wurde dies sogar als offizielles Thema gehandelt, aber dann entschied man sich aus verständlichen Gründen für „Return of the Pilotes.“ Stefan Riekeles, Programmleiter der ISEA2010 RUHR, freut sich auf die Keynotesprecher, die er für Duisburg gewinnen konnte. So referieren Harald Welzer und Marko Peljhan über „Geo-Krisen: Vom Wissen zum Handeln“, widmen sich David d’Heilly und Fernando Garcia Dory „Globalen Inseln: Ruhrort, Tokio und die Schäfer der Welt“.

Wer weniger sehen als vielmehr hören möchte, dem bietet das Programm der ISEA in Duisburg ausgewählte Höhepunkte aus dem HörspielWerkstatt-Programm des Deutschlandradios – so unter anderem „My father, the sea“ von Wolfgang Peter Menzel, das im Maschinenraum des Museumsschiffes Oskar Huber zu hören sein wird. Neben Hörspielkunst ist es der ISEA gelungen mit Charlemagne Palestine einen Musiker zu gewinnen, der der Orgel in St. Maximilian neue Töne entlocken wird. „Strumming“ nennt sich die Technik, die Palestine zur Erzeugung seiner ‘resonant music’ verwendet – schnelles Anschlagen der Orgeltastaturen erzeugen Klangschichtungen, die eine hypnotische Wirkung ausüben können.

Vier Stunden Zeit nehmen sollte man sich dann für ein besonderes Highlight: „Welt am Draht“, der 1973 gedrehte Film von Rainer Werner Fassbinder wird im Lokal Harmonie gezeigt. Der Film, der die Hollywoodproduktionen „Matrix“ oder „13th Floor“ vorwegnimmt, war lange Zeit wegen rechtlichen Unklarheiten nicht auf DVD erhältlich. Die ISEA zeigt den Film in zwei Teilen mit englischen Untertiteln.

Am Abend werden die Duisburger dann Teil der Lichtkunstinstallation „Reale Formulierungen“ von Siegrun Appelt. Als Stadt hat sich Duisburg der Kunst im öffentlichen Raum verschrieben – zuletzt deutlich sichtbar mit der Installation des David vor dem Lehmbruck-Museum – und mit der österreichischen Künstlerin Siegrun Appelt möchte man die Mühlenweide als Ort in das Bewusstsein der Bürger rücken. Drei lichtstarke Schweinwerfer – 4.000 bis 6.000 Watt – werden am Abend des 28. August 2010 Landmarkierungen der Mühlenweide in Szene setzen. Durch das extrem helle Licht wird ein sehr surrealer Raum entstehen, der sich durch das Licht verändern wird. Von der Brücke aus würde man auf das Gelände herabblicken können. Das Licht wird dabei den Raum verändern, eine emotionalphysische Wahrnehmung in Szene setzen. Dabei werden die Scheinwerfer weder per Hand noch durch den Zufall gesteuert werden. „Ein rein interaktives Programm wäre mir zu banal“, betont die Künstlerin Siegrun Appelt. Deswegen wird eine Programmschleife programmiert werden, etwa 20 bis 30 Minuten lang. Start der Installation ist 22:00 Uhr – das Ende wird etwa gegen 3:00 Uhr sein.

Text: Christian Spließ
Medien: Christoph Müller-Girod

Kommentare