JeKi-Film – Ein Jahr in vier Tönen

Vor allem Interesse ist ein wesentliches Merkmal dieses Films. Kein Interesse, das als oberflächlicher Voyeurismus daherkommt sondern Interesse, dass den Dingen auf den Grund geht. Das ermöglicht Oliver Rauch einerseits das Nahekommen an die Situation in der Schule, andererseits aber auch das Bestandsaufnehmen bei den Problemen der Schulleiterkonferenzen. Das JeKi-Projekt bewerten – das überlässt dieser Film am Ende dem Zuschauer.

Drei Familien in Duisburg, Herne und Bochum folgt der Film auf ihrem Weg durch ein JeKi-Jahr –wobei das erste und zweite Schuljahr in Duisburg gezeigt wird, Herne und Bochum sind Schauplätze für die dritten und vierten Schuljahre. Breite Kamerapanoramen lassen den Zuschauer die Umgebung der Grundschulen erkunden und dienen so als Orientierungsmarken. Aus dieser Weite wird dann Nähe – es wird gezeigt wie die JeKi-Lehrer zur Schule fahren, wie der Unterricht stattfindet, wie die Kinder sich für ein Instrument entscheiden. Man bekommt einen Einblick in die Haushalte der drei Protagonisten, hautnah.

Dabei werden auch die Prozesse hinter JeKi gezeigt – etwa die Diskussionen der Musikschulleiter, die sich eine größere Schülerrate beim Übergang ins zweite Jahr erwartet haben, angesprochen wird auch die Tatsache, dass manche Schulen strikt nur einsprachiges Material akzeptieren und wiederum dass man ganz viele Vorurteile erstmal abbauen muss. Die Musikschule muss sich neu erfinden, so ein Lehrer im Film. Ein schwieriger Prozess, auch das zeigt der Film.

JeKi ist ein Work-in-Progress und ob es all den Anforderungen gerecht wird, die man an das Projekt stellt, wird die Zeit erweisen müssen. Nach dem Ende des Films sind im besten Brechtschem Sinne zwar nicht alle Fragen offen, aber dank des Films kommt man dem Phänomen JeKi näher. An Erfahrung reicher ist man am Ende sicherlich und vor allem beeindruckt davon, wie nah und selbstverständlich das Filmteam in den Mikrokosmos Schule vorgedrungen ist.

Text: Christian Spließ

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