Kanalglühen – Visionäre Nachtprojektionen

Den Kopf einziehen müssen die Teilnehmer bei Kanalglühen desöfteren. Bei der Fahrt von Duisburg-Meiderich zum Recklinhausener Stadthafen werden 100 Brücken passiert. Oft ist der Abstand nach oben nur 1,30 – deswegen gilt: Am Besten hinsetzen auf dem Oberdeck.

Eine Verschiebung des Blickwinkels möchten die Künstler Erik Göngrich und Jan Liesegang von raumlaborberlin in Zusammenarbeit mit Nicholas Bussmann (Musik) und Florian Riegel (Film) bieten, einen Blick auf die kommende Metropole des Jahres 2034. Eine Verschiebung, die mit dem Blick unter die Brücken beginnt, die buchstäblich in den Schleusen erfahrbar wird. Wie sieht sie aus, diese Metropole des Jahres 2034 in denen man das Leben als „Flat Rate“ mieten kann? Die in die Nacht gestrahlten Projektionen und Slogans machen diese Metropole unfassbar, allenfalls kleine Hinweise gibt es.

Es könnte sein, dass sich in der Emscher-Metropole – schon dies ist irritierend genug – ein Denkmal für die Fallschirmspringerin Lucie aus Bottrop steht. Vielleicht ist es auch kein Denkmal aus Metall sondern eine Fallschirmschule. Wohnungen im Tetraeder und Wassertaxis gehören zur Metropole dazu. Dabei ist die Überlagerung der Realität mit der Vision besonders dann gelungen, wenn die Projektionen am Rand des Kanals mitlaufen. Wenn aus der Frage nach den Recklinghauser Riesling tatsächlich realer Wein wird, der zum Probieren gereicht wird. Verknüpfung zwischen Gegenwart und Zukunft.

Nach vier Stunden Fahrt dann landet man dennoch nicht in der visionären Zukunft – die als schattenhaftes Pauspapier über der Realität lag – sondern wohlbehalten in der Gegenwart. Im Recklinghauser Stadthafen. Um dann nicht mit dem Wassertaxis sondern mit dem Transferbus durch die Dunkelheit zurück nach Duisburg gebracht zu werden.

Text: Christian Spließ
Fotos: Christoph Müller-Girod

Kommentare