LehmbruckMuseum: Rückbau der Einbauten aus den 80er Jahren und… Ai Weiwei trifft Joseph Beuys
Nach dem Ende der großartigen und sehr gut besuchten Giacometti-Ausstellung “Die Frau auf dem Wagen”, einem Highlight im Rahmen der Veranstaltungen im Hafen der Kulturhauptstadt, stehen nun Um- und Rückbauarbeiten im LehmbruckMuseum auf dem Programm. Bis zum Juni steht nur der Lehmbruck Trakt für die Besucher offen. Dort werden die Werke Lehmbrucks in neuer Art und Weise präsentiert. Für die Besucher ist der Eintritt frei.
Der neue Museumsdirektor Professor Raimund Stecker hat sich bei seinem Amtsantriitt im LehmbruckMuseum im Kantpark Duisburg so einiges vorgenommen und treibt seine Planungen nun nach Ende der herausragenden Giacometti-Ausstellung mit Hochdruck voran. Die “verunklärende Str
uktur” der Einbauten, die in den 80er Jahren ins Museum kamen, soll wieder rückgebaut werden. Dadurch soll dem denkmalgeschützten Gebäude “die demokratische Struktur der Architektur wieder in ihrer ursprünglichen Qualität” zurück gegeben werden.
Aus diesem Grund wird bis voraussichtlich Ende Mai vorrangig eine neue Präsentation der Werke Wilhelm Lehmbrucks im Lehmbruck-Trakt zu sehen sein, erstmals auch mit Werken, die bisher im Depot oder andernorts im Museum zu finden waren. Lehmbrucks berühmte Werke entfalten nicht nur in der zunächst etwas ungewohnten Präsentation ihre Aura in ganz neuer Weise, sondern sie treten auch in einen Dialog mit Werken von Brancusi, Duane Hanson, Max Ernst und einigen besonderen Highlights der Malerei.
Zudem werden im Lehmbruck-Trakt zwei Hauptwerke von Alberto Giacometti, die “Frau auf dem Wagen” und der “Stehende Akt” (das Bild, das vom Museum voraussichtlich in Kürze erworben wird) zu sehen sein.
Die übrigen Trakte und die Cafeteria werden wegen der Umbauten vorübergehend nicht zugänglich sein. Öffnungszeiten: Di – Sa 11 bis 17 Uhr; So 10 bis 18 Uhr; Mo geschlossen.
Doch dies ist noch lange nicht alles, denn im Eingangsbereich trifft Beuys auf Ai Weiwei:
Seit dem 7. Mai 2010 trifft die “Welle”, ein Werk des chinesischen Künstlers Ai WeiWei, auf das “Mammut” von Joseph B
euys, ein Werk aus Privatbesitz in der Sammlung des LehmbruckMuseums. Die “Welle” ist eine Leihgabe im Kontext der Ausstellung “Ai WeiWei – Barely something” im Museum DKM.
Bei der im Jahr 2008 entstandenen “Welle” des chinesischen Künstlers handelt es sich um eine elegante Porzellanskulptur, entstanden in der handwerklichen Tradition der chinesischen Keramik. Das 1960 entstandene Werk von Joseph Beuys ist ein Stuhl-Objekt, bestehend aus einem Klappstuhl aus der Beuys´schen Wohnung mit einem darauf abgelegten, abgenutzten Stoff-Elefanten, ursprünglich ein Spielzeug seiner beiden Kinder Wenzel und Jessyka.
Beiden Werken gemeinsam ist eine politisierende und gleichzeitig emotionale Kraft. Aus den ihrer jeweiligen Kultur entstammenden Materialien und Symbolen haben Beuys und Ai Weiwei, beide auf ihre Weise Revolutionäre und zeitkritische Provokateure, Werke in einer archaischen und damit universell verständlichen Sprache geschaffen. Hinter der glatten Perfektion und Schönheit der “Welle” lauert nach dem Schock der Tsunami-Katastrophe das Verderben. Sie erscheint uns wie ein Symbol für das zerstörte Verhältnis von Mensch und Natur.
Der Stoff-Elefant, eigentlich ein alltägliches Spielzeug, wird von Beuys ins Mythische überhöht, indem er ihn mit dem Urtier “Mammut” aus prähistorischer Vergangenheit gleichsetzt . Das Tier liegt kraftlos über dem Stuhl, sein Ohr ist verloren: ein Abglanz der “sozialen Plastik” und eines kulturübergreifenden Weltbildes, in dem Natur, Tier und Mensch noch eine Einheit bildeten.
Video-Gespräch mit Raimund Stecker:
Text, Fotos, Video: Frank-M. Fischer





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