Der Bauprozess

Spektakulärer “Schlussstein”: Looping passt genau

Nach acht Wochen intensiver Montagearbeiten erfolgte nun der Einsatz des wohl spektakulärsten Bauteils – des Loopings der neuen Duisburger Landmarke „Tiger & Turtle“. In einer Höhe von ca. 11 Metern wurde am Dienstag, 13. September 2011, der „Schlussstein“ in dem letzten Segmentfeld von 25 Metern Länge gesetzt. Damit ist eine weitere Etappe auf dem Weg zum neuen Duisburger Wahrzeichen auf der Heinrich Hildebrand Höhe im Angerpark erreicht worden.

Der Looping von „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ wurde in Anwesenheit von Stadtdirektor Dr. Peter Greulich, Dr. Söke Dinkla, Leiterin des Kulturhauptstadtbüros, Förderern und Sponsoren des Kulturhauptstadtprojektes eingesetzt.

Als nächste Arbeitsschritte folgen der Abschluss der Schweißarbeiten, die Nachverzinkung, die Endmontage von Gitterrosten, Geländerteilen und Handläufen inklusive LED-Beleuchtung, der Aus- und Einbau der Zugangsanlage sowie die Grüngestaltung der Plateaufläche.

Vermessungsarbeiten

Die Bauteile werden zunächst nur provisorisch mit Hilfe von Dreibeinkonstruktionen aufgestellt, abgestützt und entsprechend ihrer erforderlichen Lage im Raum ausgerichtet und mit Stahlmanschetten verbunden. Um die Lotrichtigkeit der Stützen zu gewährleisten, wurden diese – vor und nach ihrem Vergießen mit Betonmörtel im Fußbereich der Köcherfundamente – durch das Vermessungsamt kontrolliert. Näheres erfahren Sie in unserem Filmbeitrag.

Montageverlauf

Nach sechs Wochen intensiver Montagearbeiten an der Stahlkonstruktion nimmt die Großskulptur „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ ihre dynamische Gestalt und Kontur an.

Zunächst wurden die Stützen in Zusammenarbeit mit HKM gestellt, ausgerichtet und vermessen, dann die Felder aufgesetzt und die Bauteile miteinander verschweißt. Die Baustellenschweißnähte werden vor Ort von der SLV Duisburg Ultraschall geprüft und freigegeben. Erst dann erfolgte der Verguss der Stützen in den Köcherfundamenten zur dauerhaften Fixierung. Bei Regen und Wind mussten die Arbeiten unterbrochen werden.

Mit dem Einsatz des Loopings als „Schlussstein“ der Achterbahnkonstruktion kann Richtfest begangen werden. Dies wird Anfang September der Fall sein.

In den Wochen bis zur Eröffnung im November 2011 folgen die letzten Arbeitsschritte: Abschluss der Schweißarbeiten, Nachverzinkung der Schweißnähte, Endmontage von Gitterroste, Geländerteile und Handläufe inklusive LED-Beleuchtung, Aus- und Einbau der Zugangsanlage sowie Grüngestaltung der Plateaufläche.

Montagebeginn

Am 18. Juli 2011 wurde die Baustelle auf der Heinrich Hildebrand Höhe mit der Montage der vorgefertigten und verzinkten Stahlbauelemente (Stützen, gebogenen Tracksegmenten, Gitterrosten und Geländerelemente) durch die Firma Montage + Anlagenbau Gründken GmbH erneut eröffnet.

Im Vorfeld konnte das Montagekonzept der Firma Gründken mit der Stadt Duisburg und die Spezifikationen zur Umsetzung der Baustellenschweißnähte mit der Duisburger Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt erörtert werden. Ein detaillierter Bauzeitenplan unter Berücksichtigung der Gewerke Beleuchtung, Blitzschutz, Nachverzinkung, Beton-, Erd- und Grünarbeiten wurde mehrmals überarbeitet.

Der Montageablauf ist durch drei Festpunkte bestimmt: Ein Anfangspunkt an der niedrigsten Stelle, welcher zugleich das Ende der vierfach geschwungenen Kurve wieder aufnimmt und zwei weiteren Punkten, den sogenannten Doppelstützpunkten, auf die zum Schluss der 25 Meter lange Looping passgenau eingesetzt wird.

Begonnen wurde mit dem niedrigsten Festpunkt am Eingangsbereich, d.h. mit dem Aufstellen von Stütze und Tracksegment eins. Daran anschließend folgten die Stützen und Tracksegmente zwei bis vier, bevor ausgehend von anderen Ende am Tracksegment eins, die Stützen und Tracksegmente 17, 16, 15 in Angriff benommen werden konnten.

Die Bauteile werden zunächst nur provisorisch mit Hilfe von Dreibeinkonstruktionen aufgestellt, abgestützt und entsprechend ihrer erforderlichen Lage im Raum ausgerichtet und mit Stahlmanschetten verbunden. Um die Lotrichtigkeit der Stützen zu gewährleisten, wurden diese – vor und nach ihrem Vergießen mit Betonmörtel im Fußbereich der Köcherfundamente – durch das Vermessungsamt kontrolliert.

Erst durch das Fixieren der Stützen mit Beton und dem Zusammenschweißen der einzelnen Tracksegmente, Arbeiten die sukzessive und parallel zum Aufbau verlaufen, gewinnt die Konstruktion ihre Stabilität. Mitarbeiter der Firma Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH unterstützen die Stahlbauarbeiten durch das Verschweißen der Bodenplatten an den Stützen und waren beim Aufstellen der von HKM gefertigten Doppelstützen bei der Verbindung mit den Zuganker vor Ort.

Fotogalerie zur Montage

Der Verzinkungsprozess

Zurzeit werden die Geländer, Stützen und gebogenen Tragrohrsegmente der Großskulptur „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ feuerverzinkt. Die Firma Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG führte den Projektverantwortlichen der Stadt Duisburg und der Presse bei einer Werksbesichtigung am Duisburger Standort Neuenkamp vor, wie die vorbehandelten, sprich gereinigten und gebeizten Bausegmente in einem Becken mit 450º C heißen, flüssigem Zink getaucht werden. Die Bauteile der Großskulptur erhalten von Innen und Außen eine metallisch schimmernde Hülle aus Zink, dem Material, das auf den ehemaligen Standort der Zinkproduktion im Duisburger Süden verweist.

Um zu gewährleisten, dass auch die später ausgeführten Baustellenschweißnähte vor Korrosion geschützt sind, müssen diese während der Montage auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe nachverzinkt werden. Das Verfahren der Nachverzinkung führten die Duisburger Firmen Grillo-Werke AG und Häuser & Co. GmbH durch Drahtflammspritzen an einem Musterstützenkopf vor. Dabei wird Zinkdraht in einer Brenngas-Sauerstoff-Flamme aufgeschmolzen und mittels Druckluft auf die Oberfläche des zu beschichtenden Werkstückes gespritzt. In der Regel benutzt man dieses Verfahren für Bauteile, die auf Grund ihrer Größe nicht in ein Verzinkungsbad passen oder thermisch nicht belastet werden dürfen sowie für die Nachverzinkung von feuerverzinkten Bauteilen.

Die extrem haltbare Feuerverzinkung sorgt für eine hohe mechanische und korrosive Beständigkeit und Langlebigkeit der Skulptur.

Zu den Firmen:

Die Geschichte von Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG ist verbunden mit einer Vision: Oberflächentechnik auf Stahl als professionelle industrielle Dienstleistung auf Grundlage handwerklicher Präzision und Qualität. Heute ist Voigt & Schweitzer GmbH & Co. KG das marktführende Unternehmen in Deutschland mit über 20.000 Kunden im stahlverarbeitenden Gewerken. Jedes Jahr werden über 400.000 to Stahl in 25 Werken in Deutschland vor Korrosion geschützt. Europaweit verzinkt das Unternehmen 700.000 to Stahl an 35 Standorten mit insgesamt 2.000 Mitarbeitern.

Die Kernkompetenz rund um Zink steht im Fokus der Grillo-Werke AG, Duisburg. Die Schwerpunkte für die traditionellen Bereiche Metall und Chemie liegen heute in Duisburg-Hamborn und seit 1997 in Frankfurt, für den Bereich Zinkoxid in Goslar. Die 1966 von Grillo mitgegründete und nunmehr vollständig im Besitz befindliche RHEINZINK hat ihr Walzwerk und die Verwaltung in Datteln und vertreibt ihre Bauzinkprodukte über eigene Niederlassungen bzw. Gesellschaften auf allen Kontinenten. Die 1842 gegründete Grillo-Werke AG gehört zu 100 Prozent der Familie Grillo, d. h. Abkömmlingen des Firmengründers Wilhelm Grillo, die das Unternehmen auch heute in fünfter Generation führt.

Fertigung der Hauptfelder

Aktuell werden bei der Firma Kersten Europe in Wanssum (NL) die Einzelsegmente des gebogenen Hauptrohres (Hauptfelder 1-17) mit dem dazugehörigen Stützenkopf verschweißt. Dabei durchdringen sich in unterschiedlicher Winkellage jeweils zwei stählerne Rundrohre mit einer Wandstärke von 25 – 30 mm. Je nach Größe der Lochöffnung im Hauptrohr bringt der Schweißer bei einer stabilen Werkstofftemperatur von 150° C zwischen 8 und 12 Schweißlagen pro Schweißnaht ein.

Nach Beendigung der Schweißarbeiten wird der geschweißte Rohrabschnitt einer Wärmebehandlung, dem sogenannten Spannungsarmglühen, unterzogen. Durch eine induktive Wärmezuführung von bis zu 600° C werden vorhandene Spannungen im Bauteil reduziert und die Dauerfestigkeit erhöht.

Seitens der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt Duisburg (SLV-Duisburg) wird dabei auf die Einhaltung der im Vorfeld dokumentierten Schweißfolgen und -anweisungen geachtet und die erforderliche Prüfung aller Schweißnähte – vor und nach dem Verzinken – vorgenommen.

Stahlstützen-Fertigung

Im Februar 2011 begann die Firma Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) die 17 tonnenschweren Stahlstützen für „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ vorzubereiten. Die bis zu 13 Meter langen und 32 cm breiten Rohre werden derzeit bei HKM auf ihren Einbau vorbereitet, vermessen, vorgeschweißt und begradigt.

Für HKM-Geschäftsführer Peter Gasse ist die Großskulptur ein ganz besonderes Symbol für die Bedeutung der Stahlproduktion: „Die Stahlerzeugung bei HKM blickt auf eine inzwischen mehr als einhundertjährige Geschichte zurück. In dem Wissen, damit die Nachbarschaft auch zu belasten, wollen wir der Gesellschaft auch etwas zurückgeben. Damit ergibt sich eine besondere Verbundenheit des Unternehmens mit den Menschen der Region und der Stadt Duisburg, die in der Landmarke Angerpark hervorragend zum Ausdruck kommt.“

Mit rund 3.000 Mitarbeitern produziert das Unternehmen in Duisburg mehr als 5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr. Das entspricht 12 Prozent des insgesamt in Deutschland erzeugten Rohstahls. Nach Gründung von HKM hat sich das Unternehmen auf Brammen für Flachprodukte und Rundstahl für Rohranwendungen spezialisiert. Das Liefer- und Leistungsspektrum von HKM umfasst Brammen bis zu einer Breite von 2200 Millimetern und Röhrenrundstahl mit Durchmessern von 180 bis 406 Millimetern und Längen bis zu 14 Metern. HKM bietet mehr als 1.000 unterschiedliche Stahlgüten an, die nationalen und internationalen Normen entsprechen.

Videobeitrag:

Dreidimensionaler Biegeprozess

Im November 2010 fand das Biegen der Stahlrohre bei der Firma Kersten Europe in den Niederlanden statt. Das dreidimensionale Biegen, des in Segmente aufgeteilten 200 Meter langen Handlaufs und Hauptrohrs, wurde fertiggestellt. Tragrohr und Handlauf sind die zwei wesentlichen licht- und formgebenden Elemente der filigranen Konstruktion aus Stahl und Zink.

Besonders das Biegen des Handlaufes stellt aufgrund der über die gesamte Länge mitzuführenden Öffnung zum Einbau der 880 LED-Module eine Herausforderung an die Fertigkeit und das Können des ausführenden Biegers dar. Die international tätige Firma Kersten Europe mit Firmensitz im niederländischen Wanssum ist als Spezialist für 3 D-Biegetechnik marktführend. Sie bringt ihre für das Projekt unerlässliche, fertigungstechnische Kompetenz und Erfahrung ein und trägt somit wesentlich zur erfolgreichen Realisierung bei.

Vor kurzem erhielt Kersten Europe den prestigeträchtigsten Auftrag in seiner Firmengeschichte: Die Mitarbeit am Burj Dubai /  Burj Khalifa, dem höchsten Turm (818 Meter) der Erde. Außerdem bog die Firma 3D-Rohre für den Ferrari Theme Park in Abu Dhabi und die Treppenhauskonstruktionen des Rollercoasters, BMW Take-off in München.

Fundamentarbeiten abgeschlossen

Im Rahmen der Baumaßnahme Landmarke Angerpark konnten die Fundamentierungsarbeiten abgeschlossen werden. Am 14. Oktober 2010 fand die Bauabnahme auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg-Wanheim statt. Insgesamt wurden 14 unterschiedlich große Fundamentplatten bis zu einer Tiefe von 1,50 Meter betoniert, auf denen 17 sichtbare Betonköcher aufgesetzt sind.

Die präzise Ausrichtung der Fundamente in Lage und Höhe wurde durch die Vermessungsabteilung der Stadt Duisburg begleitet. Skulptur und Anhöhe sind aufgrund des künstlichen Baugrundes somit dauerhaft in das städtische Messprogramm aufgenommen worden.

Grundsteinlegung

Am 7. September 2010 fand, mit Grußworten von Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer RUHR.2010 GmbH, die feierliche Grundsteinlegung von „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ statt.

Eine sogenannte „Zeitkapsel“ wurde mit wichtigen Zeugnissen unserer Zeit, einer Urkunde (von OB Adolf Sauerland), einer Portsmouth Nadel (von Lord Mayor Paula Riches), der RUHR.2010 Münze (von Dr. Söke Dinkla), der aktuellen Tageszeitung „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (von Kulturdezernent Karl Janssen, Stadt Duisburg), künstlerischen Entwürfen (von den Künstlern Ulrich Genth und Heike Mutter) und einem Bauplan (von Stadtdirektor Dr. Peter Greulich) sowie mit Vereinszeitschriften und -wimpeln (von Theo Küpper, 1.Vorsitzender Heimat- und Bürgerverein Wanheim-Angerhausen e.V. und von Rolf Heusner, 1.Vorsitzender Kanuclub Wanheim) gefüllt. Mitarbeiter der Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH verschlossen die Zeitkapsel luftdicht und die Vertreter des Landes und der Stadt Duisburg versenkten diese im Fundament 9.

Baubeginn

Anfang August begannen auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Angerpark die ersten Baumaßnahmen für die Skulptur „Tiger & Turtle – Magic Mountain“. Nach aufwändigen Detailplanungen dieses einzigartigen, so noch nie errichteten Bauwerks freuen sich alle Projektbeteiligten, dass die Herausforderungen der Planungsphase gemeistert sind und der Bau begonnen hat.