Der Wettbewerb

Die Stadt Duisburg hat im Frühjahr 2009 einen internationalen, beschränkten Kunstwettbewerb zur Errichtung einer Landmarke auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg ausgeschrieben. Die Heinrich-Hildebrand-Höhe ist ein beeindruckendes, neues Landschaftsbauwerk im Duisburger Süden, das die Wandlungsfähigkeit und Transformationskraft der Region wie kaum ein Zweites verkörpert. Als Teil des Gesamtprogramms der Kulturhauptstadt RUHR.2010 soll eine Landmarke mit Fernwirkung und Aufenthaltsqualität entstehen, eine starke künstlerische Setzung, die der Licht- und Landmarkenkunst im Ruhrgebiet etwas Neues hinzufügt.

Der Fachjury, unter dem Vorsitz des Duisburger Kulturdezernenten Karl Janssen, gehörten an: Roger M. Buergel, Chefkurator Miami Art Museum, Florida, Prof. Dr. Christoph Brockhaus, Direktor Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, Dr. Söke Dinkla, Stadt Duisburg, Leiterin Kulturhauptstadtbüro Duisburg RUHR.2010, Dr. Martin Henatsch, Künstlerischer Leiter der  Herbert-Gerisch-Stiftung, Neumünster, Dr. Peter Greulich, Stadt Duisburg, Stadtdirektor, Dezernent für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Barbara Honrath, Goethe-Institut, Leiterin des Bereichs Bildende Kunst, München, Prof. Karl-Heinz Petzinka, Architekt und Künstlerischer Direktor der Ruhr.2010, Essen, Renate Ulrich, Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Rita McBride (USA), Michael Sailstorfer (D), Stephen Craig (IR) und Heike Mutter & Ulrich Genth (D) hatten Entwürfe für Skulpturen auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe eingereicht:

Rita McBride (*1960 Des Moines/Iowa, USA)

Der Entwurf »Delicate Arch« sieht ein acht Meter hohes Bauwerk vor, das mit einem Stahlgerüst konstruiert und mit grauem Spritzbeton überzogen ist. Die Skulptur kopiert naturgetreu die Bogenform und die Oberflächenwirkung des berühmten Naturfelsen Delicate Arch im amerikanischen Arches National Park von Utah. Der Duisburger »Delicate Arch« steht konzeptuell in Verbindung zu zwei weiteren Kopien des Originals aus Utah, die im Kulturhauptstadtjahr 2010 temporär für zwei zeitgenössische Kunstprojekte realisiert werden sollen.
Ihre künstlerische Spannung entwickelt die Kopie »Delicate Arch« aus dem Zusammenspiel unserer Vorstellungen von natürlichen und künstlich geschaffenen Bauwerken und Landschaftsräumen. Damit wird eine Brücke zur Entstehungsgeschichte der Heinrich-Hildebrand-Höhe geschlagen, die als künstliche Aufschüttung keine natürlich gewachsene landschaftliche Erhebung ist.

Stephen Craig (*1960 in Larne/Nordirland)

Der »Navigator« ist ein begehbarer Turm mit begrünter Sockelzone und einer Gesamthöhe von 20 Metern. Die Stahlkonstruktion entwickelt mittels zeitgenössischer Kommunikationstechnologien und einem Archiv aus Metallkarten die Tradition der Landmarken-Kunst weiter: Ausgestattet mit einer Verbindung in das Internet, ist der »Navigator« Orientierungsmarke und Wissensraum zugleich. Um eine Dreiecksformation aus Stahlstützen sind sechs zylinderförmige Zonen aus Lochblech konstruiert. Über ein Treppenhaus ist der Turm auf zwei Ebenen zugänglich. Ein integriertes rotes Windrad liefert den Strom für die nächtliche Beleuchtung. In seiner Gestalt erinnert das technoid erscheinende Gebilde an ein geheimnisvolles Laboratorium. Aufgestelzt auf dem sockelartigen Fundament wirkt der »Navigator« wie eine im Maßstab vergrößerte klassische Skulptur.

Ulrich Genth & Heike Mutter (*1971/*1969 in Tübingen/München)

Der Siegerentwurf »Tiger & Turtle / Magic Mountain« des Künstlerduos Ulrich Genth und Heike Mutter ist eine begehbare Großskulptur. Sie greift die Idee einer Achterbahn auf und schreibt sich mit einer Höhe von circa 18 Metern und ihrer geschwungenen Form weithin sichtbar in die Landschaft ein.
Bewegt sich ein Passant über die spiralförmige Weganlage bis zum Plateau der Heinrich-Hildebrand-Höhe hinauf, so wird sich die Skulptur stetig in ihrer Form verändern. Die metallisch schimmernde Erscheinung der verzinkten Stahlkonstruktion verspricht das außergewöhnliche Erlebnis von Beschleunigung. Erst wenn der Besucher die Skulptur selbst begeht, wird diese Wahrnehmung in ihr Gegenteil verkehrt und das Gefühl von Entschleunigung durch langsames Gehen erfahrbar.

Michael Sailstorfer (*1979 in Velden)

Der »Grüne Kamin« ist ein sich nach oben verjüngender und begehbarer Turm von 20 Meter Höhe. Aus der Ferne ruft er das Bild eines für die Region typischen Industrieschlotes in Erinnerung. Eine kleinteilige Gitterkonstruktion aus verzinktem Stahl zeichnet die Fugen zwischen den nicht vorhandenen Ziegeln eines vorgestellten Mauerwerkes nach. Eine innere Wendeltreppe führt die Besucher zu einer Aussichtsplattform. Das in die Zukunft weisende Bepflanzungskonzept sieht drei Kletterpflanzen vor: Waldrebe, wilder Wein und Kletterhortensie beranken in den nächsten Jahren von Außen die Gitterkonstruktion. In der Nacht lassen acht innenseitig liegende Bodenstrahler den »Grünen Kamin« als ein formal reduziertes, hochaufragendes Zeichen erleuchten.