Das rote Sofa
„Das Sofa ist magisch aufgeladen, weil 600 Menschen auf ihm Platz genommen haben. Berühmte und Unbekannte, Arme und Reiche, Alte und Junge, Outlaws und Honoratioren. Jeder weiß, wenn ich mit dem Sofa komme, wer darauf gesessen hat. Und ich fahre weit, und das Sofa ist schwer, und ich trage ihm das in sein Lebensumfeld. In diesem Moment fühlt sich dieser Mensch auserwählt, und ich gebe ihm eine Bühne. Ich setze ihn auf einen Thron.“
Ein Sofa an sich ist ein Ort der Gemütlichkeit, der Entspannung, der Unterhaltung, des Lesens, des Fernsehens, aber auch der Erotik. Es steht für Zuhause und Wohlgefühl, für Mediennutzung und manchmal für Therapie.
Wenn ein Sofa die gewohnte Umgebung verlässt, entstehen „neue” Bilder. Es wird zum „ready made” – nach der Definition von Marcel Duchamp: Ein industriell gefertigter Gegenstand verlässt sein funktionales, gewohntes Umfeld und erscheint in einem neuen, überraschenden Zusammenhang. Dieser Vorgang eröffnet neue Sichtweisen auf bekannte Themen und Bilder, Menschen und Typologien. Die erfolgreiche „Rote Couch” gibt dem Projekt ein Format mit einer markanten und unverwechselbaren Optik, die Klammer, das Forum und den gemeinsamen Nenner für die unterschiedlichsten Menschen dieser Welt. Die Rote Couch bringt Prominente und Unbekannte, Arme und Reiche, Kinder und Alte auf eine Augenhöhe.
Im Laufe der Zeit identifiziert sich das Publikum mit der Universal Couch. Sie wird zu etwas Vertrautem und erfüllt die Sehnsucht nach Beständigkeit.
Inzwischen haben fast 600 Menschen weltweit auf Wackerbarths Roten Couch Platz genommen. Jeder Beitrag besteht aus einer großformatigen Fotografie und einem Interview, das als Videoinstallation präsentiert wird.
Existenzielle Fragen zu Themen wie Arbeit, Glück, Liebe, Tod erfordern in der Umsetzung eine stringente Form; eine, die der menschlichen Vielfalt ausreichend Raum gibt. Um zu zeigen, dass das allen Menschen Gemeinsame stärker ist als das, was sie trennt, wurden die Fragen offen und allgemein verfasst. Denn sie sollen von Angehörigen aller Kulturkreise und Religionen, von Frauen und Männern, Kindern und alten Menschen, von Nobelpreisträgern und Analphabeten gleichermaßen beantwortet werden können.
